Ein Anschlag auf Hamburgs bekannteste Mäzenin, die Reederin Marlene Reinhardt, erschüttert die Stadt. Die jüngste Enkelin der Unternehmerin beginnt, Fragen zu stellen. Und sie findet Antworten in der Vergangenheit. „Die Schatten der Schuld“ verknüpft einen fiktiven Kriminalfall mit authentischen, historischen Fakten.
Dabei erlaubt eine packende psychologische Analyse Einblicke in Motive und Sichtweisen von Opfer und Täter. Reizvoll und tragisch zugleich ist die besondere Überkreuz-Situation. Die Figuren, beide geboren gegen Kriegsende, stehen für die untrennbare Verbindung von Trauma und Schuld. Stilistisch zeigt eine präzise, fast minimalistische Sprache in den Rückblenden das eiskalte Kalkül auf, das der Entrechtung jüdischer Menschen in der NS-Zeit zugrunde lag.
In diesem Handlungsstrang steht die Enkelin des Opfers als Perspektivträgerin für eine Generation, für die die NS-Taten zwar faktisch „Geschichte“ sind, die sich jedoch durch das Schweigen und Verdrängen der Eltern und Großeltern weiterhin in der Verantwortung fühlen, das begangene Unrecht aufzuarbeiten.
Michael Jensen arbeitete mehr als zwei Jahrzehnte als Arzt in der Naturheilkunde und Traumatherapie. Nach der Veröffentlichung von zwei Sachbüchern schreibt er seit 2017 als freier Autor. Die erfolgreiche „Totenland“-Reihe erschien 2019 im Aufbau Verlag, es folgten weitere Bücher in unterschiedlichen Verlagen. „Die Schatten der Schuld“ ist sein dreizehnter Roman. Jensen lebt mit seiner Familie in Hamburg und an der Schlei.